Vereinigung von Freunden der Geschichte Zwiefaltens, seines Münsters und Klosters e.V. (Geschichtsverein Zwiefalten)
 Vereinigung von Freunden der Geschichte Zwiefaltens, seines Münsters und Klosters e.V.(Geschichtsverein Zwiefalten)    

 

 
Musik aus dem Kloster Zwiefalten -                   
Pater Ernest Weinrauch
 
 

 

 

Zu Pater Ernest Weinrauch (1730-1793)
 

Ernest Weinrauch, am 17. Oktober 1730 in Donauwörth/Bayern als Sohn eines Handwerkers geboren, kam bereits in seinen ersten Schuljahren mit der Benediktinerabtei Zwiefalten in Berührung. Als er dort mit der Profeß im Jahre 1748 ins monastische Leben eintrat, stand das oberschwäbische Kloster bereits in seiner vollen barocken Blüte:
Die Reichsunmittelbarkeit der Abtei hatte 1750 die bis dahin erreichte wirtschaftliche und politische Selbständigkeit besiegelt. Wissenschaft und Kunst konnten auf diesem Boden ein letztes Mal prachtvoll gedeihen. Bis zu seinem Tode am 9. April 1793 bekleidete Ernest Weinrauch die Ämter des Subpriors und Ordenskapitulars; als Chorregent machte er es sich zur Aufgabe, den um die Jahrhundertmitte erbauten Kirchenraum des Zwiefaltener Münsters mit Musik zu füllen. In seinem Wirkungskreis war Ernest Weinrauch als hervorragender »Kontrapunktist, Orgelspieler und Komponist« bekannt. Er widmete sich - so der heutige Stand der Forschungen - ausschließlich der Kirchenmusik. Erhalten sind eine große Messe in C-Dur, das Oratorium »Kain und Abel«, eine Fülle kleiner Kompositionen, sowie das Requiem in c-Moll und die Messe in g-Moll, die am 2. November 1997 im Zwiefalter Münster erstmals wieder aufgeführt wurden.
Zu seinen Pflichten gehörte auch die musikalische Ausbildung der Klosterschüler. Weinrauch muß ein Lehrer von außergewöhnlichem Format gewesen sein, der den Schülern eine Ausbildung vermittelte, die das übliche Maß klösterlichen Musikunterrichts weit übertraf. So gingen der spätere Ottobeurener Komponist P. Conrad Bagg und Conradin Kreutzer, der seit 1789 Unterricht erhielt, aus seiner Schule hervor. Stilistische Untersuchungen legen den Schluß nahe, daß sowohl die Messen in g-Moll als auch das Requiem in c-Moll zu den späteren Werken des Zwiefaltener Meisters gehören. Ihre Aufführung zu Lebzeiten Weinrauchs ist allerdings nicht nachgewiesen. Mit Sicherheit wurden die beiden Kompositionen nach der Säkularisation der Benediktiner-Reichsabtei 1803 bis zum Konzert im Herbst 1997 nicht aufgeführt.
Der Tübinger Universitätsmusikdirektor Professor Dr. Alexander Sumski, der sich seit vielen Jahren um die Neuaufführung oberschwäbischer Klostermusik bemüht, hat die beiden Werke in der Universitätsbibliothek Augsburg aufgefunden, bearbeitet und herausgegeben (Prof. Dr. Eberhard Stiefel). 

Zu den Ernest Weinrauch-Konzerten und dem gesamten Projekt wurden besondere Internetseiten gestaltet:
http://www.weinrauchkonzerte.de/; auch bei Wikipedia gibt es interessante Ausführungen.

 

 

 

Wie kam es zu unseren Konzerten mit Werken von Ernest Weinrauch ?


Mit der Säkularisation 1803 wurde wie im ganzen oberschwäbischen Bereich auch in Zwiefalten reiche und lebendige Klosterkultur zerstört. Zur Klosterkultur gehörten auch die Komponisten, die für ihr Kloster Werke schufen, die durchaus auf der Höhe der Zeit waren. Lange Zeit waren diese nach den Klosterauflösungen in einen tiefen Dornröschenschlaf versunken, vergessen. Erst gegen Ende des letzten Jahrhunderts wurden viele dieser geistlichen Werke von Prof. Alexander Sumski (Eberhard-Karls-Universität Tübingen) wieder entdeckt und durch Aufführungen einem breiten Publikum nahe gebracht.

 

Eine der besonders hervorragenden Gestalten der Klostermusik des 18. Jhds. im oberschwäbischen Raum war Ernest Weinrauch, der 1730 in Donauwörth geboren wurde und im Benediktinerkloster Zwiefalten als Komponist und als ausgezeichneter Lehrer, z.B. von Konradin Kreuzer, gewirkt hat. Seit geraumer Zeit nehmen wir uns der Pflege der Musik in oberschwäbischen Klöstern, und dabei insbesondere der der Reichsabtei Zwiefalten an.

Unser Mitglied Otto Reichhard war der Initiator des großen Vorhabens, die Werke von Pater Ernest Weinrauch nach der Wiederentdeckung durch Prof. Dr. Alexander Sumski aus Tübingen in Zwiefalten wieder “heimisch” werden zu lassen.

So wurden in einer ökumenischen Feierstunde im Oktober 2005 einige seiner Werke vor allem mit Kräften aus Zwiefalten und Umgebung aufgeführt. Auch Sänger aus der französischen Partnergemeinde La Tessoualle und der befreundeten Gemeinde Ohorn bei Dresden nahmen daran teil. Aufgrund des großen Erfolgs der Aufführungen und des öffentlichen Zuspruchs folgten im Jahr 2007 aus Vesperae de Domenica das Magnificat C-Dur, Psalm 129 „De profundis“ und die Messe Es-Dur. Die Vesperae de Domenica waren auch Inhalt des Konzerts in 2009.

 

Beim  Konzert in 2011 spielten die Chöre aus La Tessoualle  eine noch grössere Rolle, denn es gab ein doppeltes Konzertwochenende am 25. September 2011 in Zwiefalten und am darauffolgenden Wochenende in La Tessoualle, an dem auch der ganze dortige Chor CANTA Tess mit über 40 Sängerinnen und Sängern teilnahm. Im Zentrum der Aufführungen in 2011 stand die „Missa solemnis  C-Dur“ sowie der Psalm "Nisi dominus aedificaverit domum" und das Offertorium "O domus alma".

 

Wir dürfen mit Freude und auch Stolz festhalten, dass dem Ernest Weinrauch-Chor im Jahr 2014 ein musikalischer Brückenschlag nach Tschechien gelang – eine besondere Botschaft zur Völkerverständigung! Bei dem Ausstellungsprojekt zur  Historischen und bauhistorischen Verbindung der Benediktinerklöster Zwiefalten und Kladrau/Kladruby in Böhmen kam dem Ernest-Weinrauch Chor eine bedeutende Rolle zu:

Er gestaltete am 24. Mai  im Zwiefalter Münster musikalisch mit dem 5. Ernest Weinrauch Konzert den Auftakt zu dem Ausstellungsprojekt. Bereits wenige Tage später am  20. Juni fand in der Klosterkirche von Kladruby die Wiederholung des Konzertes statt. Die Psalmen und marianischen Antiphonen waren für die Besucher aus Kladruby und der Oberpfalz musikalisches Neuland, aber auf Anhieb war die Begeisterung sehr groß.

Langer Beifall belohnte Jeanette Bühler (Sopran),  Sabine Schilling (Alt), Tomás Korínek (Tenor), Jaromír Nosek (Bass), den Ernest-Weinrauch-Chor sowie das Symphonische Orchester des Konservatoriums Pilsen und die am Pult wirkenden Dirigenten Jörg Sommer und Jiri Strunc. Bettina Eppler, der Leiterin des Ernest Weinrauch-Projekt-Ausschusses, gilt unser ganz besonderer Dank für ihre Organisationsleistung.

 

Heute dürfen wir mit Stolz feststellen, daß unsere Konzerte mit den Werken des Zwiefalter Klosterkomponisten zu einem festen Bestandteil des örtlichen Kulturlebens geworden sind. Mittlerweile sind sie in die weithin bekannte Reihe der Münsterkonzerte aufgenommen worden

 

Wir können uns inzwischen auf einen relativ festen Stamm von Solisten, Instrumentalisten und Choristen verlassen.  Fest dabei sind nach wie vor Sängerinnen und aus unserer französischen Partnergemeinde La Tessoualle. Der Weinrauch-Chor selbst umfasst derzeit 51 Sängerinnen und Sänger. Ein Organisationsteam übernimmt verschiedenste Arbeiten.

 

Das nächste Konzert mit dem REQUIEM von Pater Ernest Weinrauch wird am Sonntag, den 13.Oktober im Zwiefalter Münster stattfinden!

 

Wir sind sehr dankbar, dass wir örtliche und überörtliche Unternehmen als großzügige Förderer an unserer Seite haben. Ohne sie wäre das Ernest Weinrauch-Projekt nicht zu realisieren !

 

Es geht also weiter !

 

 

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