Vereinigung von Freunden der Geschichte Zwiefaltens, seines Münsters und Klosters e.V. (Geschichtsverein Zwiefalten)
 Vereinigung von Freunden der Geschichte Zwiefaltens, seines Münsters und Klosters e.V.(Geschichtsverein Zwiefalten)    

Geschichtsverein in der Presse

 

 

 

 

 

 

 

Lisa Keaton-Sommer und Andreas Sommer (Traversflöten) und Anja Enderle am Cello begeisterten mit ihrem Barockkonzert in der Prälatur Zwiefalten (Foto: Kurt Zieger)

 

 

Virtuose Klänge in der Prälatur

22. Oktober 2018

 

Kurt Zieger

 

 

Konzerte im barocken Ambiente und der Intimität der Prälatur Zwiefalten haben stets ihren eigenen charmanten Reiz. Dazu passen Instrumente wie Traversflöten mit ihrer Wärme und Klangschönheiten wie auch ein behutsam und doch engagiert eingebrachtes, vor Vitalität sprühendes Cello. Damit ist im Grunde ein konzertanter Hörgenuss vorgegeben.

 

Das Ehepaar Lisa Keaton-Sommer und Andreas Sommer bilden zusammen mit Anja Enderle eine musikalische Einheit, die künstlerisch und vom Empfinden her bestens zueinander passt. Dieses innere Sich-Verstehen spricht aus den Interpretationen der vorgestellten Werke.

 

Der kompositorischen Vorlage „Spiritoso“ entsprechend begann das Ensemble spritzig, mit perlenden Läufen und voll Musizierfreude mit einem Londoner Trio von Joseph Haydn das Konzert in der vollbesetzten Prälatur. Weich und fein ausschwingend das Andante, voll unbeschwerter Heiterkeit das nachfolgende Allegro.

 

Einige Jahre vor Haydn schrieb der tschechische Komponist Josef Myslivecek das vorgestellte Trio in a-moll. Auch er bettet sein eher dezentes Larghetto zwischen flotte Allegro- und Presto-Sätze. Beginnend im heiter melodiösem Dreiertakt mit dezent aufsteigenden crescendi, besticht das Larghetto durch die Wärme und Klangschönheit der Traversflöten. Über der sonoren Basis des Cello werden Perioden mit weitem Atem voll lyrischer Schönheit mit feinsinnigen Umrankungen verziert. Das Presto hingegen sprüht auch bei der Cellistin von virtuoser Musizierkunst.

 

Auch das Caprice II von Anton Stamitz stammt aus derselben Zeit und stellt eine Paraderolle für Andreas Sommer als Solist dar. Hüpfende Einzeltöne verschmelzen mit kurzen Trillern über elegischen Abschnitten zu einem abgerundeten Gesamtwerk. Mühelos steigende Tonfolgen entschwinden in ihrer Klarheit in der Höhe des barocken Raums.

 

Denselben Genuss für die Zuhörer boten Lisa Keaton-Sommer und Anja Enderle mit einem Duetto von Franz Danzi, Solocellist in München und Hofkapellmeister in Stuttgart. Ausgewiesen als Larghetto begann es verhalten und verheißungsvoll, um jedoch in herrlichem Gleichklang schrittartig die melodischen Bausteine zum Klingen zu bringen. Das folgende Allegretto sprühte vor perlender Lebensfreude und weckte bei den Zuhörern helle Begeisterung.

 

Nicht weniger heiter und beschwingt ein Trio in C-Dur von Johann Christian Bach, dem jüngsten Sohn des großen Komponisten Johann Sebastian Bach. In tänzerischem Ambiente das Allegretto in fast schwerelos dahingleitenden Passagen der beiden Flöten über klar strukturierter Mitgestaltung des Cello. Beseligende Ruhe entströmte dem Adagio, zumal jeder der drei Künstler jeder Einheit zu ihrem Abschluss die nötige kurze Ruhepause gönnte bis zum Schluss im verklingenden Pianissimo. Lebensbejahend und optimistisch das abschließende Allegro mit einer Vielzahl virtuos gestalteter Sequenzen im Cello zum bewundernswerten Gleichklang beider Flöten.

 

Jubilierende Flöten

 

Der zweite Teil des Konzerts begann wieder mit Karl Stamitz, diesesmal mit einem Trio in G-Dur. Im Allegro jubilierten die beiden Flöten in partnerschaftlichem Verbund als Gegenpol zu den teils kurzgefassten, teils weit ausladenden Passagen des Cello. Das Andante poco moderato, tonlich leicht zurückgenommen, bestach durch filigrane Einzelabschnitte wie auch durch aufsteigende Tonfolgen als Duo der Flöten. Ihr Thema wanderte des Öfteren ins Cello und gab deren Interpretin gut genutzte Chancen sich zu profilieren. Leichtfüßig tänzerisch in allen drei Instrumenten, punktgenau interpretriert das Rondeau mit dem perlenden Allegro als Beschluss voll ästhetischer Schönheit.

 

Auch Franz Anton Hoffmeister aus Rottenburg am Neckar verkörpert musikalische Lebensfreude des Barock. In seinem Duo für zwei Traversflöten gestaltete das Ehepaar Sommer das einleitende Allegro mit virtuosen Läufen und klar ausgewiesenen Staccato-Passagen des vorgegebenen Themas. Ganz unversehens jedoch erklang eine schwingende Melodie über eiliger Begleitung des zweiten Instruments und sorgte für musikalisches Vergnügen der besonderen Art. Dies galt auch für die tänzerisch elegante Romance und das geradezu schelmisch in Szene gesetzte Rondeau.

 

Mit einem weiteren Trio von Joseph Haydn schloss sich der musikalische Kreis dieses für die Zuhörer äußerst bekömmlichen, künstlerisch hochstehenden Konzerts. Aufs Neue gingen bei einer derartigen Veranstaltung der begeisternde Beifall der Zuhörer und die besondere Atmosphäre des Raums mit der Musizierkunst der Interpreten eine gelöst wirkende Verbindung ein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit dem Vortrag „Heimatinszenierungen – Über den Umgang mit Geschichte vor Ort“ zeigte Dr. Christel Köhle-Hezinger Veränderungen in der Geschichtsvermittlung auf. Kreisarchivar Dr. Marco Birn freute sich mit den Teilnehmern über die Informatio (Foto: Heinz Thumm)

26. Juni 2018 - Schwäbische Zeitung Riedlingen

 

 

Der Umgang mit Geschichte vor Ort

 

 

 

Heinz Thumm

 

 

Die 14. Arbeitstagung der Geschichts- und Heimatvereine im Landkreis Reutlingen hat bereits zum zweiten Mal im geschichtsträchtigen Zwiefalten stattgefunden. Als Gastrednerin sprach die Volkskundlerin Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger über „Heimatinszenierungen – Über den Umgang mit Geschichte vor Ort“. Fachkundig und praxisorientiert erfolgte eine Beratung der Geschichts- und Heimatvereine als Motivation für die weitere Arbeit.

Bürgermeister Matthias Henne stellte die Münstergemeinde Zwiefalten vor. Mit seinen rund 2200 Einwohner in sieben Teilorten hat die Gemeinde am südlichen Zipfel des Landkreises Reutlingen einiges zu bieten. Am bekanntesten ist das majestätische barocke Zwiefalter Münster, gleich daneben das Peterstormuseum mit der Biosphäreninformationsstelle. Aber auch: vielerlei touristische Angebote, kulturelle Besonderheiten wie Konzerte, Führungen, Exkursionen, Ausstellungen und eine hervorragende Infrastruktur. Henne berichtete auch von den finanziellen Herausforderungen einer Gemeinde im strukturschwachen ländlichen Raum.

 

Dass Heimat heute eine andere Bedeutung als früher hat, stellte Dr. Christel Köhle-Hezinger in ihrem Vortrag heraus. Der Begriff „Heimat“ werde derzeit kulturell und tatsächlich neu erlebt - und ideologisch neu genutzt. Während früher Heimat „als Herkunft in Besitz und Hof“ bedeutete wird Heimat heute für „Vielerlei Inszenierungen am Ort, in der Geschichte und der Umgebung“ erklärt. An zahlreichen Beispielen erklärte die Referentin die Ursachen des Wandels der Geschichtsvermittlung und in der Brauch- und Ritualforschung. Es folgten Ausführungen über den Umgang mit der Orts-, Heimat- und Regionalgeschichte und dessen symbolische Bedeutung.

 

Dr. Christel Köhle-Hezinger lobte Baden-Württemberg, das Land mit dem größten Anteil an Heimatmuseen und Museumsdichte. Die Vielzahl von Attraktionen in den Freilichtmuseen wie zum Beispiel Backtage, Treckerrennen und Agrarfolklore erklärte sie mit einer „Sehnsucht nach Geschichtsspektakel“ in der ländlichen Idylle – aber leider nicht in der bäuerlichen Realität. „Es braucht Inszenierung für Einheimische, Zugezogene und Medien“, wertete die Volkskundlerin.

 

Im weiteren Verlauf der Arbeitstagung zeigte der Dokumentarfilmer Gerhard Stahl im Rahmen einer Filmvorschau das Projekt „Das Kriegsende im Kreis Reutlingen“ mit Zeitzeugenberichten. Kreisarchivar Dr. Marco Birn stellte die kulturhistorische Bibliothek des Landkreises online vor. Danach berichteten die Vertreter der Geschichts- und Heimatvereine vielfältig über die Aktivitäten der örtlichen Vereine.

 

Am Nachmittag führte Architekt und Ortsplaner Gerhard Keppler nach einem Vortrag durch die Neugestaltung der Ortsmitte Zwiefaltens in die denkmalgeschützte ehemalige Klosteranlage. Die Teilnehmer zeigten sich sehr beeindruckt von den Maßnahmen. Mit großem Respekt hatten die Besucher schon im Laufe des Tages die vielfältigen Aktivitäten der Vereinigung von Freunden der Geschichte Zwiefaltens, seines Münsters und Klosters vom Vorsitzenden Hubertus-Jörg Riedlinger vernommen und beachtet.

 

 

Schwäbische Zeitung Riedlingen  vom 12. März 2018

 

„... innen wie ein Theater“

Waltraud Wolf

 

In eineinhalb unterhaltsamen Stunden durften die Zuhörer im Saal des Konventgebäudes in Zwiefalten entspannt nachvollziehen, was drei junge Männer im Jahre 1791 bei einer siebentägigen Fußreise „durch die schwäbische Alpe“ erlebten. Vermittelt hat ihnen dies auf Einladung des Zwiefalter Geschichtsvereins Irmtraud Betz-Wischnath. Die pensionierte Kreisarchivarin hat zu dem Reisebericht Fotos von den verschiedenen Städten und Karten aus jener Zeit herausgesucht, um zu zeigen, was Christoph Heinrich Pfaff so sehr in Verzückung gebracht hat. Denn auf seinen schwärmerischen Reisebericht bezog sich ihr Vortrag.

Respektable 250 bis 280 Kilometer hat der 18-jährige Student Pfaff zusammen mit seinen Freunden Karl August Friedrich von Duttenhofer, sowie Ernst Franz Ludwig Marschall von Bieberstein, 33 und 21 Jahre alt, zurückgelegt. Mit dabei: Fernrohre und ein Windhund. Auf Schusters Rappen zu reisen, galt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als „modern“ und „alternativ“, ließ die Referentin aus Pfullingen wissen. Man habe sich davon eine neue Sicht auf Landschaften und die dort lebenden Menschen, auf Sitten und Gebräuche, wirtschaftliche und soziale Verhältnisse, aber auch auf Geologie, Fauna und Flora versprochen.

Milch, Brot und Wein

Am 11. April 1791 starteten die Freunde, von denen Pfaff in seinem 226 Seiten starken Reisebericht vermerkt: „Es konnten auch nicht wohl drey Menschen besser füreinander taugen als eben wir“. Von Stuttgart nach Tübingen ging es am ersten Tag. In Willmandingen begegneten ihnen Auswanderer nach Galizien. In Pfrondorf rasteten sie. Der Chronist zeigt sich erfreut über den geringen Preis für Milch und Brot. Ergänzt um Wein war dies im Übrigen die Hauptnahrung der Reisenden. Nach zwölfstündigem Fußmarsch erreichten sie Tübingen „ermattet und ausgetrocknet“. Während sie vom Schlossberg aus das Panorama auf Neckar- und Ammertal und auf die Alb genossen und vor allem die Achalm ihre Blicke auf sich zog, konnte Pfaff sich für Tübingen selber nicht erwärmen „Mit dem größten Eigensinne, wüste Häuser und wüste schlechte Straßen zu bauen, kann man es kaum weitertreiben, als hier geschehen …“ Kurz vor Sonnenaufgang nahmen sie den Weg wieder unter die Füße.

Auf dem Weg nach Zwiefalten, das sie ansteuerten, um das „Schneegebürge“ zu sehen, passierten sie mit Pfullingen „ein wüstes Städtchen“, das „contrastirt auf eine unangenehme Art mit der schönen Natur“. Elf Seiten widmet Pfaff dem Besuch der Nebelhöhle, für die er sich eine „gehörige Illumination“ wünscht. Beeindruckt zeigt sich der junge Mann vom Lichtenstein, einem auf den Mauern der einstigen Burg erbauten Haus, das dem Förster als Dienstwohnung diente. „Man gehe hin und genieße“.

In Kleinengstigen kehrten sie ein und der genossene Wein ließ sie zusammen mit dem bejahrten Förster „Arm in Arm mit lachendem Mund und fröhlicher Gebärde“ den Weg so schnell eilen, „als wenn dies heute die erste Versuchung für unsere Füße gewesen wäre“.

Himmlische Belohnung

In Bernloch begegneten sie einem katholischen Priester und Pfaff lässt kein gutes Haar an ihm, während er nur positive Worte für einen „70-jährgen Greis“ findet, der sie im Regen über Ober-Gauingen nach Zwiefalten führt. „Die Mühe des Tages war himmlisch belohnt“, beschreibt er die Aussicht auf das „Schneegebürge“. „Hier türmt sich ein tausendzackiger Berg empor und scheint den Himmelsbogen zu tragen.“ Der junge Mann störte sich auf dem Weg zum Kloster an einer Mariensäule und beschreibt die Patres als intolerant und „gemeinen Menschen, ohne Anlage oder Bildung“. Ebenso abfällig urteilt Pfaff über die Portraits der Äbte und über die Innenausstattung der Klostergebäude, erläuterte die Referentin. Selbst das Münster fiel unter seinen Augen durch. „Unwürdig von außen und innen wie ein Theater: Alles strahlt von überflüssigem Gold. Das Auge wird durch zahllose Bildsäulen, Gemälde, erbärmliche Stuccatorarbeit, Guirlanden, Schnörkel, kurz durch die unwürdigsten Erzeugnisse eines verderbten Geschmacks zerstreut“, so der 18-jährige Student. Was ihm und seinen Reise-Gefährten dennoch gefiel, waren das Mahl, der Wein und die weichen Betten.

Nach einem „herzlich schlechten Kaffee“ machten sie sich am vierten Tag ihrer Reise nach Urach auf. In Marbach zeigte ihnen der Stutenmeister Hartmann ein Pferdeskelett mit einem skelettierten Reiter. Nach einem „langweiligen Weg“ in Richtung Münsingen bei „schröcklichem Regen“ erreichten sie die Sirchinger Steige und bewunderten die Aussicht in das Uracher Tal.

Während die Begegnung mit dem Wasserfall am fünften Tag ihrer Fußreise enthusiastisch ist, fällt das Urteil über die Ruine Hohenurach negativ aus. Über die Steige erreichten sie Grabenstetten und stiegen danach hinunter ins Lenninger Tal und machten auch einen Abstecher zur „Schrecke“. Die sei noch heute ein lohnender Wanderweg, empfahl Irmtraud Betz-Wischnath. Bevor es auf die Teck ging, gestand von Duttenhofer ein Problem mit einem Zeh und man besorgte ihm ein Pferd. Er verabschiedete sich in Dettingen, wo er Frau und Kind traf.

Pfaff und Ernst Franz Ludwig Marschall von Bieberstein besuchten am sechsten Tag ihrer Reise den Hohenneuffen. Dass sie aus Neuffen flüchten mussten, war ihrem Windhund geschuldet, der Kühe angegriffen hatte. In Nürtingen trennten sich die Wege der Kameraden. Duttenhofer, und Bieberstein kehrten nach Dettingen zurück, Pfaff erreichte über Köngen am siebten Tag Esslingen, wo er seine Geschwister traf, denen er viel zu erzählen hatte.

Mit Blumen und einem Buch über die Feudalherrschaft am Beispiel des Albdorfes Upflamör bedankte sich der zweite Vorsitzende des Zwiefalter Geschichtsvereins, Ralf Aßfalg, bei der Referentin.

 

 

 

 

 

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