Vereinigung von Freunden der Geschichte Zwiefaltens, seines Münsters und Klosters e.V. (Geschichtsverein Zwiefalten)
 Vereinigung von Freunden der Geschichte Zwiefaltens, seines Münsters und Klosters e.V.(Geschichtsverein Zwiefalten)    

Geschichtsverein in der Presse

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit dem Vortrag „Heimatinszenierungen – Über den Umgang mit Geschichte vor Ort“ zeigte Dr. Christel Köhle-Hezinger Veränderungen in der Geschichtsvermittlung auf. Kreisarchivar Dr. Marco Birn freute sich mit den Teilnehmern über die Informatio (Foto: Heinz Thumm)

26. Juni 2018 - Schwäbische Zeitung Riedlingen

 

 

Der Umgang mit Geschichte vor Ort

 

 

 

Heinz Thumm

 

 

Die 14. Arbeitstagung der Geschichts- und Heimatvereine im Landkreis Reutlingen hat bereits zum zweiten Mal im geschichtsträchtigen Zwiefalten stattgefunden. Als Gastrednerin sprach die Volkskundlerin Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger über „Heimatinszenierungen – Über den Umgang mit Geschichte vor Ort“. Fachkundig und praxisorientiert erfolgte eine Beratung der Geschichts- und Heimatvereine als Motivation für die weitere Arbeit.

Bürgermeister Matthias Henne stellte die Münstergemeinde Zwiefalten vor. Mit seinen rund 2200 Einwohner in sieben Teilorten hat die Gemeinde am südlichen Zipfel des Landkreises Reutlingen einiges zu bieten. Am bekanntesten ist das majestätische barocke Zwiefalter Münster, gleich daneben das Peterstormuseum mit der Biosphäreninformationsstelle. Aber auch: vielerlei touristische Angebote, kulturelle Besonderheiten wie Konzerte, Führungen, Exkursionen, Ausstellungen und eine hervorragende Infrastruktur. Henne berichtete auch von den finanziellen Herausforderungen einer Gemeinde im strukturschwachen ländlichen Raum.

 

Dass Heimat heute eine andere Bedeutung als früher hat, stellte Dr. Christel Köhle-Hezinger in ihrem Vortrag heraus. Der Begriff „Heimat“ werde derzeit kulturell und tatsächlich neu erlebt - und ideologisch neu genutzt. Während früher Heimat „als Herkunft in Besitz und Hof“ bedeutete wird Heimat heute für „Vielerlei Inszenierungen am Ort, in der Geschichte und der Umgebung“ erklärt. An zahlreichen Beispielen erklärte die Referentin die Ursachen des Wandels der Geschichtsvermittlung und in der Brauch- und Ritualforschung. Es folgten Ausführungen über den Umgang mit der Orts-, Heimat- und Regionalgeschichte und dessen symbolische Bedeutung.

 

Dr. Christel Köhle-Hezinger lobte Baden-Württemberg, das Land mit dem größten Anteil an Heimatmuseen und Museumsdichte. Die Vielzahl von Attraktionen in den Freilichtmuseen wie zum Beispiel Backtage, Treckerrennen und Agrarfolklore erklärte sie mit einer „Sehnsucht nach Geschichtsspektakel“ in der ländlichen Idylle – aber leider nicht in der bäuerlichen Realität. „Es braucht Inszenierung für Einheimische, Zugezogene und Medien“, wertete die Volkskundlerin.

 

Im weiteren Verlauf der Arbeitstagung zeigte der Dokumentarfilmer Gerhard Stahl im Rahmen einer Filmvorschau das Projekt „Das Kriegsende im Kreis Reutlingen“ mit Zeitzeugenberichten. Kreisarchivar Dr. Marco Birn stellte die kulturhistorische Bibliothek des Landkreises online vor. Danach berichteten die Vertreter der Geschichts- und Heimatvereine vielfältig über die Aktivitäten der örtlichen Vereine.

 

Am Nachmittag führte Architekt und Ortsplaner Gerhard Keppler nach einem Vortrag durch die Neugestaltung der Ortsmitte Zwiefaltens in die denkmalgeschützte ehemalige Klosteranlage. Die Teilnehmer zeigten sich sehr beeindruckt von den Maßnahmen. Mit großem Respekt hatten die Besucher schon im Laufe des Tages die vielfältigen Aktivitäten der Vereinigung von Freunden der Geschichte Zwiefaltens, seines Münsters und Klosters vom Vorsitzenden Hubertus-Jörg Riedlinger vernommen und beachtet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Klavierduo Shoko Hayashizaki und Michael Hagemann brillierte bei seinem Konzert in der Prälatur in Zwiefalten. (Foto: Thomas Warnack)

 

Conradin Kreutzer Ehre erwiesen

 

Schwäbische Zeitung Riedlingen  vom 26. März 2018

WALTRAUD WOLF

 

Der Beifall wollte kein Ende nehmen, so begeistert waren die Besucher in der Prälatur von dem Konzert des Klavierduos Shoko Hayashizaki und Michael Hagemann am Samstag. Ralf Aßfalg als Mann mit den „zwei Hüten“, der als Pflegedirektor des Zentrums für Psychiatrie als Hausherr fungierte und als zweiter Vorsitzender des Geschichtsvereins Zwiefalten als Veranstalter begrüßen und danken durfte, war die Freude über den gelungenen Abend ins Gesicht geschrieben und den Zuhörern sowieso.

Das Musiker-Ehepaar hatte 1984 – noch zur Studienzeit bei Professor Robert Alexander Bohnke in Freiburg – seinen ersten gemeinsamen Auftritt. Seither hat es viele Programme erarbeitet und aufgeführt. Für Zwiefalten wählte es Musikstücke, deren Wege nach Wien führten oder von dort zurück nach Zwiefalten, wie bei Conradin Kreutzer, der einst die Lateinschule der Benediktiner Abtei besucht hat und möglicherweise von Ernest Weinrauch unterrichtet wurde, dem in Zwiefalten wieder entdeckten Komponisten.

„Es ist ein tolles Gefühl, an diesem Ort Musik von Conradin Kreutzer zu spielen“, führte denn auch Michael Hagemann in das Programm ein und informierte über dessen ersten Wien-Aufenthalt 1804 zum Unterricht bei Johann Georg Albrechtsberger. Später war er insgesamt zwölf Jahre Kapellmeister an verschiedenen Theatern in Wien und erlebte dort, so Hagemann, seine erfolgreichsten Jahre. Zwei Stücke brachten Shoko Hayashizaki und Michael Hagemann von Conradin Kreutzer zur Aufführung: die Fantasie-Sonate mit der Einleitung der Pastorale und Variationen über ein Thema, wobei am Ende das Einleitungsspiel als Nachspiel zurückkehrt. „Ein sehr idyllisches Werk, das ganz hervorragend komponiert ist“, lobte Hagemann Conradin Kreutzer und setzte es mit seiner Frau brillant an dem Flügel in der Prälatur um. Als virtuoses Meisterwerk gilt auch die zweite gespielte Kreutzer-Komposition „Piece faciles op. 34“. Leicht steht hier lediglich für die Gattung. Sind die Tänze, wie Walzer, Ländler und Polonaise doch der „leichten Muse“ zugeordnet. Die Herausforderung für die Künstler dagegen ist groß. Doch auch hier vermittelte das Duo die Leichtigkeit der Komposition und erntete Bewunderungskundgebungen für die temperamentvolle Darbietung.

Ausflüge in die Zauberwelt

Ein Weggenosse Kreutzers in Wien war Franz Schubert, von ihm spielte das Klavierduo ein Rondo in A-Dur, einen immer wiederkehrenden Refrain mit Ausflügen in die Zauberwelt musikalischer Gedanken und verzaubert haben Shoko Hayashizaki und Michael Hagemann auch mit diesem Werk, einem „großen Glücksfall aller vierhändigen Musik“. Walzerklänge ertönten von Johannes Brahms. 1866 niedergeschrieben. Selbstverständlich durfte auch Wolfgang Amadeus Mozart nicht fehlen. Das Klavierduo wählte mit der Sonate C-Dur Köchelverzeichnis 521 ein für beide Spieler gleichermaßen virtuoses Werk. Der orchestrale Klang verbindet sich hier mit Solopassagen aller vier Hände.

Shoko Hayashizakis flinke Finger huschen über die Tasten. Ihr Spiel kann auch sehr zart sein. Michael Hagemann ist links an der Klaviatur für den tieferen Klang zuständig, oft kraftvoll und mit vollem Körpereinsatz.

Walzerseligkeit kam bei den Zugaben auf, so dem „wohl schönsten“, wie Michael Hagemann einen von Robert Fuchs ankündigte, einem der bedeutendsten Pädagogen der Spätromantik. So beschwingt wie der Klavierabend endete, so erfüllt verließen die Besucher die Prälatur. Unter ihnen waren viele, die dem japanisch-deutschen Klavierduo zum ersten Mal begegnet waren, aber auch einige, denen das Ehepaar von den Altheimer Rathauskonzerten während der letzten Amtsjahre von Karl Wolf als Bürgermeister in bester Erinnerung geblieben war.

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Schwäbische Zeitung Riedlingen  vom 12. März 2018

 

„... innen wie ein Theater“

Waltraud Wolf

 

In eineinhalb unterhaltsamen Stunden durften die Zuhörer im Saal des Konventgebäudes in Zwiefalten entspannt nachvollziehen, was drei junge Männer im Jahre 1791 bei einer siebentägigen Fußreise „durch die schwäbische Alpe“ erlebten. Vermittelt hat ihnen dies auf Einladung des Zwiefalter Geschichtsvereins Irmtraud Betz-Wischnath. Die pensionierte Kreisarchivarin hat zu dem Reisebericht Fotos von den verschiedenen Städten und Karten aus jener Zeit herausgesucht, um zu zeigen, was Christoph Heinrich Pfaff so sehr in Verzückung gebracht hat. Denn auf seinen schwärmerischen Reisebericht bezog sich ihr Vortrag.

Respektable 250 bis 280 Kilometer hat der 18-jährige Student Pfaff zusammen mit seinen Freunden Karl August Friedrich von Duttenhofer, sowie Ernst Franz Ludwig Marschall von Bieberstein, 33 und 21 Jahre alt, zurückgelegt. Mit dabei: Fernrohre und ein Windhund. Auf Schusters Rappen zu reisen, galt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als „modern“ und „alternativ“, ließ die Referentin aus Pfullingen wissen. Man habe sich davon eine neue Sicht auf Landschaften und die dort lebenden Menschen, auf Sitten und Gebräuche, wirtschaftliche und soziale Verhältnisse, aber auch auf Geologie, Fauna und Flora versprochen.

Milch, Brot und Wein

Am 11. April 1791 starteten die Freunde, von denen Pfaff in seinem 226 Seiten starken Reisebericht vermerkt: „Es konnten auch nicht wohl drey Menschen besser füreinander taugen als eben wir“. Von Stuttgart nach Tübingen ging es am ersten Tag. In Willmandingen begegneten ihnen Auswanderer nach Galizien. In Pfrondorf rasteten sie. Der Chronist zeigt sich erfreut über den geringen Preis für Milch und Brot. Ergänzt um Wein war dies im Übrigen die Hauptnahrung der Reisenden. Nach zwölfstündigem Fußmarsch erreichten sie Tübingen „ermattet und ausgetrocknet“. Während sie vom Schlossberg aus das Panorama auf Neckar- und Ammertal und auf die Alb genossen und vor allem die Achalm ihre Blicke auf sich zog, konnte Pfaff sich für Tübingen selber nicht erwärmen „Mit dem größten Eigensinne, wüste Häuser und wüste schlechte Straßen zu bauen, kann man es kaum weitertreiben, als hier geschehen …“ Kurz vor Sonnenaufgang nahmen sie den Weg wieder unter die Füße.

Auf dem Weg nach Zwiefalten, das sie ansteuerten, um das „Schneegebürge“ zu sehen, passierten sie mit Pfullingen „ein wüstes Städtchen“, das „contrastirt auf eine unangenehme Art mit der schönen Natur“. Elf Seiten widmet Pfaff dem Besuch der Nebelhöhle, für die er sich eine „gehörige Illumination“ wünscht. Beeindruckt zeigt sich der junge Mann vom Lichtenstein, einem auf den Mauern der einstigen Burg erbauten Haus, das dem Förster als Dienstwohnung diente. „Man gehe hin und genieße“.

In Kleinengstigen kehrten sie ein und der genossene Wein ließ sie zusammen mit dem bejahrten Förster „Arm in Arm mit lachendem Mund und fröhlicher Gebärde“ den Weg so schnell eilen, „als wenn dies heute die erste Versuchung für unsere Füße gewesen wäre“.

Himmlische Belohnung

In Bernloch begegneten sie einem katholischen Priester und Pfaff lässt kein gutes Haar an ihm, während er nur positive Worte für einen „70-jährgen Greis“ findet, der sie im Regen über Ober-Gauingen nach Zwiefalten führt. „Die Mühe des Tages war himmlisch belohnt“, beschreibt er die Aussicht auf das „Schneegebürge“. „Hier türmt sich ein tausendzackiger Berg empor und scheint den Himmelsbogen zu tragen.“ Der junge Mann störte sich auf dem Weg zum Kloster an einer Mariensäule und beschreibt die Patres als intolerant und „gemeinen Menschen, ohne Anlage oder Bildung“. Ebenso abfällig urteilt Pfaff über die Portraits der Äbte und über die Innenausstattung der Klostergebäude, erläuterte die Referentin. Selbst das Münster fiel unter seinen Augen durch. „Unwürdig von außen und innen wie ein Theater: Alles strahlt von überflüssigem Gold. Das Auge wird durch zahllose Bildsäulen, Gemälde, erbärmliche Stuccatorarbeit, Guirlanden, Schnörkel, kurz durch die unwürdigsten Erzeugnisse eines verderbten Geschmacks zerstreut“, so der 18-jährige Student. Was ihm und seinen Reise-Gefährten dennoch gefiel, waren das Mahl, der Wein und die weichen Betten.

Nach einem „herzlich schlechten Kaffee“ machten sie sich am vierten Tag ihrer Reise nach Urach auf. In Marbach zeigte ihnen der Stutenmeister Hartmann ein Pferdeskelett mit einem skelettierten Reiter. Nach einem „langweiligen Weg“ in Richtung Münsingen bei „schröcklichem Regen“ erreichten sie die Sirchinger Steige und bewunderten die Aussicht in das Uracher Tal.

Während die Begegnung mit dem Wasserfall am fünften Tag ihrer Fußreise enthusiastisch ist, fällt das Urteil über die Ruine Hohenurach negativ aus. Über die Steige erreichten sie Grabenstetten und stiegen danach hinunter ins Lenninger Tal und machten auch einen Abstecher zur „Schrecke“. Die sei noch heute ein lohnender Wanderweg, empfahl Irmtraud Betz-Wischnath. Bevor es auf die Teck ging, gestand von Duttenhofer ein Problem mit einem Zeh und man besorgte ihm ein Pferd. Er verabschiedete sich in Dettingen, wo er Frau und Kind traf.

Pfaff und Ernst Franz Ludwig Marschall von Bieberstein besuchten am sechsten Tag ihrer Reise den Hohenneuffen. Dass sie aus Neuffen flüchten mussten, war ihrem Windhund geschuldet, der Kühe angegriffen hatte. In Nürtingen trennten sich die Wege der Kameraden. Duttenhofer, und Bieberstein kehrten nach Dettingen zurück, Pfaff erreichte über Köngen am siebten Tag Esslingen, wo er seine Geschwister traf, denen er viel zu erzählen hatte.

Mit Blumen und einem Buch über die Feudalherrschaft am Beispiel des Albdorfes Upflamör bedankte sich der zweite Vorsitzende des Zwiefalter Geschichtsvereins, Ralf Aßfalg, bei der Referentin.

 

 

 

 

 

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