"Villa Butz" - Gauberg 23 - Haus für Literatur und Kunst
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Internationale Ernst Wiechert-Gesellschaft e.V.
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Aufgabe der Hedwig Butz-Metzger - Stiftung:
Unser Ziel ist:
Die „Villa Butz“, das Haus Gauberg 23, soll zu ein Treffpunkt kunst- und literaturinteressierter Personen aus Zwiefalten und Umgebung werden.
Für den Besuch der Veranstaltungen und der Ausstellung im Hause ist wegen des begrenzten Raumangebotes eine Anmeldung Voraussetzung - zu richten per Mail an gauberg (at) geschichtsverein-zwiefalten.de .
Schauen Sie einfach mal vorbei!
Mit Lesekränzchen und Lyriksalon sind interessante ständige Aktivitäten und Projekte im Haus entstanden.
Zu Ernst Wiechert im Haus am Gauberg 27 - "Villa Butz"
Unsere Stifterin Hedwig Butz-Metzger war seit ihrer Jugend mit dem Werk des deutschen Dichters Ernst Wiechert (1887 bis 1950) verbunden.
Wer war Ernst Wiechert? Wiechert lehnte die Nationalsozialisten und ihre Ideologie fundamental ab. Als einer der Schriftsteller der »Inneren Emigration« wandte er sich in Reden und Schriften gegen das Naziregime.
Hedwig Butz-Metzger war Mitglied der Internationalen Ernst Wiechert- Gesellschaft (IEWG) und Mitorganisatorin von Literatur-Treffen in Zwiefalten.
Grundlage dieser Zusammenarbeit von Geschichtsverein und IEWG ist die 2016 abgeschlossene Kooperationsvereinbarung . Diese Vereinbarung ermöglicht die Einrichtung eines Archivs, das literaturwissenschaftliche Arbeit zu Ernst Wiechert ermöglicht. Die Hedwig Butz-Metzger-Stiftung im Geschichtsverein organisiert seit 2019 literarischeVeranstaltungen im Zusammenwirken mit der Internationalen Ernst Wiechert-Gesellschaft.
Einen Einblick in Leben und Werk des Dichters Ernst Wiechert bietet ein kurzer Film. Bitte dazu folgenden Link anklicken: https://youtu.be/5SsjXUNVpqE
Die Internetseite der IEWG www.ernst-wiechert-international.de informiert detailliert über die Tätigkeit der Gesellschaft, insbesondere über ihre verschiedenen Publikationen, die Schriftenreihe, die Mitteilungen und per Download die zwei– bis dreimal pro Jahr erscheinenden Ernst-Wiechert-Briefe.
Ernst Wiechert -
Dichter der Inneren Emigration zwischen 1933 - 1945
Wiederkehrende Themen beim Geschichtsverein sind die Befassung mit der Zeit des Nationalsozialismus und der Inneren Emigration von Schriftstellern und Dichtern. Gedenkfahrten, Publikationen oder Vorträgen, so in 2025 anlässlich des Kriegsende vor 80 Jahren sind Ausdruck dieses wichtigen Engagements.
Ernst Wiechert leistete dichterisch Widerstand gegen die Nationalsozialisten.
in dem er "zwischen den Zeilen" seiner Publikationen und Büchern mutig Position bezog. Trotz seines Einflusses auf seine große Leserschaft liessen ihn die Nazis zunächst weitgehend unbehelligt. Seiner Anhängerschaft war seine Haltung zu den Herrschenden bekannt und "las" aus seinen Schriften die versteckten aufklärenden, aber auch mutmachenden und tröstenden "Botschaften" heraus.
Wegen seines Eintretens für die Familie des inhaftierten Pastors Martin Niemöller 1938 wurde er ins Zuchthaus gesperrt und auf Goebbels Veranlassung ins KZ Buchenwald verschleppt. Der Literaturkreis befasste sich mit seinem autobiographi-schen Bericht "Der Totenwald", in dem er den Schrecken und den Terror im Lager schildert,
Eines der Beispiele für den Kampf des Dichters gegen die Nazidiktatur ist seine Schrift "Von den treuen Begleitern" von 1937.
Seinen Interpretationen zu Gedichten von Claudius, Mörike und Goethe ist die unten eingefügte Einführung vorangestellt, in der er mit seinen Worten die Kulturlosigkeit des Naziregimes brandmarkt.
Der Buchenwaldbericht Der Totenwald ist neu herausgegeben worden, dann aber ebenso wie die Schrift Von den treuen Begleitern antiquarisch gegen ein kleines Entgelt bei uns erworben werden.
VON DEN TREUEN BEGLEITERN
Das stolzeste Wort, das über die Dichter gesagt worden ist, stammt von dem unglücklichsten unter ihnen, von Hölderlin: „Was bleibt, stiften die Dichter.“ Es ist gleichsam ein Nachhut-Wort, weil diejenigen, die Gedichte schreiben, immer die Nachhut der Menschheit darstellen, die Nachhut gegen die Verständigen, die Zweckvollen, die tätig Erfolgreiche, und so wollen wir noch einmal die Hand heben, um sie zu grüßen.
Solange wir noch einen Baum anschauen können, ohne seinen Kubikgehalt zu berechnen; eine Blume, ohne ihren Marktpreis zu schätzen oder ihre Staubgefäße zu zählen; ein Kind, ohne nach seinen Zensuren zu fragen; einen Dichter, ohne von seinen Auflagen zu wissen; einen Altar, ohne nach seiner Konfession zu fragen; solange wissen wir vom wahrhaftigen Sein, und solange ist uns das lyrische Gedicht dasselbe, was uns die Blüte des Baumes, das Lächeln des Kindes, die Torheit einer Blume ist.
Ein Volk kann seine Könige entthronen und stärker ja besser werden, aber ein Volk, das die Dichtes des Zwecklosen entthront und zu ihnen spricht: „geht nun sterben, unnütz seid ihr in unsrer Welt“ kann wohl mächtiger und reicher werden, aber es hat seine Erstgeburt verkauft, und in seinem Mark ist der Totenwurm der letzten Tage.
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Carl Zuckmayer
schrieb 1943/44, Wiechert sei „einer der besten und tapfersten von allen in Deutschland verbliebenen Schriftstellern. […] Großer überzeugungsstarker Charakter. Wiechert wird einer der berufensten Sprecher und Vertreter der anständigen und wertvollen Deutschen sein, und, falls er das Hitlerende überlebt, vor allen Dingen von der Jugend in Deutschland gehört werden.“
Bertolt Brecht
An die Nachgeborenen, 1939
Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut
In der wir untergegangen sind
Gedenkt
Wenn ihr von unsern Schwächen sprecht
Auch der finsteren Zeit
Der ihr entronnen seid.
Aktuelles:
Literatur - Fahrt von 29. bis 31.August 2025 nach
Stäfa am Zürichsee
Unsere Stifterin Hedwig Butz war mit dem literarischen Werk Ernst Wiecherts eng verbunden; eine Reihe von Erstausgaben von „Wälder und Menschen“ oder „Das einfache Leben“ befinden sich den dreißiger Jahren in der Hausbibliothek. Mit der Internationalen Ernst Wiechert Gesellschaft (IEWG) schlossen wir eine Kooperationsvereinbarung.
Gemeinsame literarische Veranstaltungen folgten.
Eine vollständige Sammlung seiner Werke und ein Wiechert-Archiv befinden sich im Haus.
Anlässlich des 75. Todestages von Ernst Wiechert reisten wir auf Einladung der Lesegesellschaft Stäfa von
29. bis 31.August an den Zürichsee/Schweiz nach Stäfa an den Zürichsee.
Ein ausführlicher Bericht über die Gedenktage wird hier in Kürze folgen.
Zur Information über die Veranstaltung nachfolgend die Einladung der Lesegesellschaft.
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Liebe Freundinnen und Freundinnen des Werks von Ernst Wiechert!
Am 24. August 1950 starb Ernst Wiechert in Uerikon, beigesetzt in einem Ehrengrab auf dem Stäfner Friedhof. Vor dem zweiten Weltkrieg gehörte er zu den populärsten Schriftstellern Deutschlands.
Zum 75. Todestag findet am Samstag 30. August in Stäfa eine Gedenkveranstaltung der Lesegesellschaft Stäfa und des Museums zur Farb statt, in Zusammenarbeit mit der internationalen Ernst-Wiechert-Gesellschaft.
Im Zentrum steht die Rede, die Wiechert 1947 anlässlich der Goethefeier in der reformierten Kirche Stäfa hielt. Unter dem Titel „Das zerstörte Menschengesicht“ klagte er die Kulturschande Deutschlands im Kontrast zwischen dem großen Goethe und dem barbarischen Nazi-Terror an. Wiechert selbst war in ein KZ gesperrt worden, dann aber freigelassen und unter Hausarrest gestellt.
Wiecherts „Brandrede“ wird nun am authentischen Ort im Originaltext vorgetragen.
Im Anschluss soll eine Podiumsdiskussion mit Fachpersonen aus Literatur, Geschichte und Politik aufzeigen, wie aktuell Wiecherts Anklage ist und wie sehr Menschen in einem autoritären, diktatorisch geführten Überwachungsstaat leiden.
Die heutige weltpolitische Lage und vor allem der von Russland gegen die Ukraine angezettelte Krieg führen vor Augen, wie rasch sich Geschichte wiederholen kann.
Seien Sie in Stäfa sehr herzlich willkommen!
Präsidentin Romy Arnold
Lesegesellschaft Stäfa
Michael Friese, Erfurt, (IEWG)
ABLAUF DES TREFFENS
Freitag, 29.August
Begrüßung und Kennenlern-Abendessen
Samstag, 30. August
Die Brisanz einer Anklage - zum 75. Todestag von Ernst Wiechert
Sonntag; 31. August
Wir freuen uns auf Euren Besuch!
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Zum Stäfner Treffen schreibt Dr. Joachim Hensel, Bockhorn, Geschäftsführer der IEWG:
Liebe Wiechert-Freundinnen und liebe Wiechert-Freunde!
Zum 75. Todestag Ernst Wiecherts im August 2025 wird in Stäfa, dem Sterbeort des Dichters, von deutschen und Schweizer Wiechertfreunden eine Gedenkveranstaltung durchgeführt.
Die Internationale Ernst-Wiechert-Gesellschaft ist den Schweizer Wiechert-Verehrern in der Lesegesellschaft Stäfa für alle Anregungen und Vorbereitungen sehr dankbar. Gemeinsam laden wir mit ihnen zusammen herzlich zu dem Begegnungs-Treffen an den Zürichsee ein.
Auch wenn immer wieder zu hören ist, dass sich heute für Ernst Wiechert niemand mehr interessiert, so ist doch unsere Erfahrung eine andere. Von verschiedenen Enden der Erde hören wir von ernsthaften Beschäftigungen mit Ernst Wiecherts Dichtung.
Ende Oktober 2024 besuchte der japanische Forstwirt und Germanist Dr. Mitsuaki Yamagata von der Sophia-Universität in Tokio im Rahmen einer Deutschlandreise Lüneburg und führte dort mit unserem Vorstandsmitglied Klaus Weigelt ein fünfstündiges Gespräch über Wiecherts Letztwerk Missa sine nomine. Dr. Yamagata hat als Forstwirt deutsche Fachliteratur ins Japanische übersetzt und ist so auch auf literarische Texte der deutschen Romantik gestoßen. Das hat ihn zu einer Dissertation über den Begriff der „Waldeinsamkeit“ bei Ludwig Tieck veranlasst und zu dem Vorhaben, die Missa sine nomine ins Japanische zu übersetzen. Kontakte im Frühjahr 2025 ergaben, dass Dr. Yamagata seine Übersetzung abgeschlossen hat. Nun sind wir gespannt auf die japanische Ausgabe der Missa, auch wenn wir sie nicht lesen können. Aber sie bahnt unserem Dichter Ernst Wiechert den Weg in eine neue, ostasiatische Welt.
Im Mai 2025 hielt sich das Ehepaar Weigelt zwei Wochen auf dem Gutshof Almoyen von Barbara Trczeciak auf, um masurischen Urlaub zu erleben. An einem Abend fand ein aufschlussreiches Gespräch mit dem langjährigen Reiseleiter und Lehrer Czesław Ilwicki aus Lötzen statt, der an einer Übersetzung der Magd des Jürgen Doskocil arbeitet. Das Gespräch drehte sich um Schwierigkeiten, wie sie bei der Übersetzung von literarischen Texten auftreten, Probleme, die auch Dr. Yamagata beschäftigen. So können wir auch bald mit einer weiteren polnischen Übersetzung rechnen, denn viele Werke Wiecherts auf Polnisch gibt es bereits. Die Polen lieben „ihren“ masurischen Dichter.
Wir freuen uns sehr, Ihnen von diesen Übersetzungen berichten zu können und gratulieren den Übersetzern mit Bewunderung für ihre Arbeit.
Danke für Ihre Treue zu Ernst Wiecherts Dichtung. Bleiben Sie an unserer Seite!
Bis dann, Ihr Joachim Hensel